Kostprobe – Teil I

probeloffel

Ich gehe leidenschaftlich gerne Essen. In einem schicken Restaurant zu sitzen, wo die Tische mit schneeweissen Tischdecken überzogen sind. Alles riecht nach Leckereien und sieht dabei zu schön aus.

Je nach Restaurantart, kommt zu Beginn der Speisen ein kleiner Gruß aus der Küche. Auch Amuse gueule genannt.  Auf diesen winzigen verschnörkelten Löffelchen ist genau ein Happs drauf. Eigentlich soll das in dieser From im Mund verschwinden – doch oft sehe ich dabei wir ein Hamster mit dicken Backen aus, weil es doch größer ist als auf den ersten Schein. Sinn und Zweck dieser Kostprobe ist, den Gast neugierig zu machen, auf das, was da kommt.

Genauso haben wir die letzten zwei Wochen verbracht. Nicht auf kleinen schnörkligen Löffeln oder gar als Happs. Nein. Eher dieses rausschnuppern und neugierig machen, auf das, was da vor uns liegt.

Hintergrund ist: Mein Mann war seine ersten zwei Wochen zur Einarbeitung in China. Er dort und wir hier.

Jetzt kam uns mal wieder der Herr Ernst besuchen. Schließlich ging es das erste Mal auf Reisen, mit dem Bewusstsein, den Grundstein für unser neues Leben zu legen. Ganz so dramatisch war es dann doch nicht und doch war jeder auf seine Art angespannt.

Wie mein Mann das Ganze erlebt hat, dass erfahrt ihr hier.

Für mich, als Strohwitwe, im Alltag bleibend, was es … ja, wie eigentlich?

Zum eine war ich doch sehr neidisch auf meinen Mann. Schließlich konnte er die ersten Fühler rausstrecken vor Ort und kam dort ins Tun. Er begann mit der Arbeit, lernte die ersten Leute kennen und machte Sightseeing in Shanghai.

Ich dagegen war halt hier, mit den Aufgaben des Alltages. Ich bekam das erste Mal ein Gefühl dafür, wie es unseren Liebsten ergehen kann – wenn wir dann weg sind. Einfach weiter machen, ist da einfacher gesagt.

Die Kids und ich haben es uns schön gemacht. Waren im Kino, haben zusammen im großen Bett geschlafen und Pizza vor dem Fernseher gegessen. So spannend die Abweichungen von der Regel sind, so sichtbar und spürbar ist es, dass ein wichtiger Mensch fehlt. Kurz auf dem Sofa schnacken ging nicht, da es zu dem Zeitpunkt in China weit nach Mitternacht war.

Ich habe stets die Uhrzeit umgerechnet, um ein Gefühl für den neuen Tagesablauf meines Mannes zu bekommen. Das regelmäßige Facetimen musste geplant werden und die Frage, was ist erzählenswert, begleitet mich dabei.

Schließlich wollte ich ihm mit meinen kleinen Alltagsgeschichten nicht die Lust auf China verderben. Schlimmer noch, dass er dann anfing sich Sorgen zu machen und das dann eine ungeliebte Ablenkung vom Wesentlichen war.

Am Ende haben wir diese Kostprobe ganz gut gemeistert. Mein Mann kam sehr positiv aus China zurück. Wir waren froh unsere fehlende Lücke wieder geschlossen zu haben. Und bei unseren täglichen online Gesprächen haben wir neben dem Schönen auch die Sorgen geteilt. Schließlich ist das alles unser Projekt und da gehört eben das auch dazu.

Suoyou de ài  (Alles Liebe)

Dschänna

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