Kostprobe – Teil II

probeloffel

Jetzt komme ich zu Wort. Der Mann hinter der Dschänna oder eher daneben. Die Idee mit dem Blog ist ihre. Die Idee das auch ich was sagen möchte, meine. Es ist unser Projekt, auch wenn ich derjenige bin, weswegen das ganze startet.

Die letzten zwei Wochen war ich in China. Genauer gesagt in Wuxi. Das ist mein Arbeitsort für die nächsten Jahre und gespannt ist eine Untertreibung dessen, wie es mir beim Anflug auf Shanghai ging.

wuxi
Wuxi

Ich wußte, dass ich in ein Land komme, dass ich aus Besuchen kannte und mir gleichzeitig völlig unbekannt war. Zwei Wochen lagen vor mir und das ganze ohne meine Familie.

Auf dem Weg vom Flughafen nach Wuxi kreisten meine Gedanken. Was wird mich erwarten? Wird es so, wie es uns im Interkulturellen Training beschrieben wurde? Welcher Erwartungen haben die Leute vor Ort an mich?

Die Vorfreude stieg auf das was kommt und die Motivation war hoch, endlich den Prozess in Gang zu bringen. Und doch war es eine Fahrt ins Ungewisse. Das letzte Mal, das ich das hatte, ist schon lange her.

Am ersten Abend wurde mir der Start so angenehm wie nur möglich gemacht. Ein Essen mit deutschen Kollegen stand auf dem Programm. So blieb der große Kulturschock erstmal aus.

Beim Frühstück wurde mir das erste Mal bewusst – sichtbar bewusst: Ich bin der Ausländer. Die Langnasen waren eindeutig in der Minderheit. Ein merkwürdiges Gefühl, was ich aus Deutschland so nicht kannte.

Um in den Arbeitsprozess reinzukommen, gab es ein Zusammenkommen mit meinem Vorgänger. In diesem Zeitfenster wurde die Struktur für die kommende Woche festgelegt. Mein Fokus lag klar darauf, das Team und die Prozesse kennenzulernen. Allein dieses Gespräch machte mit bewusst – jetzt wird es ernst.

Am nächsten Tag sollte und wollte ich mich der bestehenden Mannschaft vorstellen. Ich war immens aufgeregt, schließlich geht es dabei um eine langjährige Zusammenarbeit. Am Ende des Tages war die Erkenntnis so positiv. Die Menschen sind mir sehr offen begegnet. Sie sind hilfsbereit und haben freiwillig viel über ihre tägliche Arbeit berichtet. Ich war sehr erstaunt, dass sie mich haben, so in sich reinschauen lassen. Ebenso war ich über die vorhanden Struktur und die Zusammenarbeit im Team überrascht.

Die Woche verging recht zügig. Erste Unterschiede zu  Deutschland konnte ich schon danach feststellen. Zum Beispiel kommunizieren die Chinesen sehr klar und nicht so versteckt und hinterrücks wie hier. In China steht die Beziehung zum Menschen an erster Stelle und damit wird auch dieser Bezug und diese Nähe bewusst gesucht. Aus Deutschland kenn ich das nicht. Eher wird hier mehr die Distanz gewahrt, damit auch niemand in die Karten des anderen reinschauen kann. In China war sich jeder bewusst, über das, wofür er und sein Team steht. Und sie wollten ganz klar wissen, wer bin ich. Für was stehe ich, als Mensch und als Chef. Was ist mir wichtig.

Auch wenn es sich um eine Hierarchie handelt, so steht doch immer wieder der Mensch im Vordergrund. So wie ich ihre Visionen kennenlernen möchte, wollen sie meine wissen.

Mit diesen viele Eindrücken und Ausdrücken begann ich dann mein Wochenende. Sightseeing durfte nicht fehlen, also ging es nach Shanghai. Ein faszinierende Stadt die mich immer mehr in ihren Bann zieht.

Die zweite Woche begann damit, das ich weniger nervös war und das positive Gefühl, das alles Gut wird, wuchs. Die Aussicht, in den nächsten Jahren genau hier zu arbeiten, gefiel mir immer mehr. Zudem unterstützte mich das Feedback aus der letzten Woche, mehr auf die Menschen zuzugehen, in den Gesprächen meine Ansichten zu äußern, ohne dabei die Angst zu haben, nicht ernstgenommen zu werden. Mir wurde bewusst, dass die Arbeit hier anders nicht. Nicht inhaltlicher, eher das Miteinander. Das sich zeigen und auch benennen: Wer bin ich und wofür stehe ich. Ein Herausforderung für mich.

Die Zeit war sehr abwechslungsreich und gespickt mit abendlichen Delikatessen. Hin und wieder kam ich kulinarisch an meine Grenze, besonders als ich scharfes Essen bestellt und mit der Schärfe nicht gerechnet haben. Das werde ich in naher Zukunft mit Bedacht auswählen.

Tägliche sprach ich mit meiner Frau via Facetime. Ein Hoch auf die Technik. Dieses Miteinander musste sorgfältig geplant werden, hatten wir doch den Zeitunterschied von 7h zu überbrücken. Auch wenn es nur ein Bild auf dem Laptop war, so gaben mir diese Gespräche das Gefühl nicht alleine zu sein. Zu wissen, das meine Familie hinter mir steht und wir ab Sommer gemeinsam hier wohnen werden, macht ein saugutes Gefühl.

Auf dem Rückflug habe ich nachwirken lassen und die Erkenntnis ist: Ich freue mich auf März und damit auf die nächste Kostprobe in China, bevor es dann ab Mai direkt den Hauptgang geben wird.

Wènhòu (Beste Grüsse)

Der Mann

Ps: Im wirklichen Leben heiße ich Dirk.

 

Ein Gedanke zu “Kostprobe – Teil II

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s