Alles in Bewegung

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Unsere Koffer sind da. Wir haben extra neue bestellt. Groß und robust sollten sie sein und Freude auf das Packen machen. Nun stehen sie halt so da und zeigen uns, dass die Zeit rennt. Alles ist in Bewegung, besonders ich und das innerlich.

Unser Papa (wie das klingt, so richtig schön spießig) war zur Einarbeitung öfters drüben und kam – Gott sei dank – immer heile wieder nach Hause. Mehr noch, seine Begeisterung ist geblieben, trotz der Aufgaben, die auf ihn zukommen werden.

Die letzten gemeinsamen Wochenenden in Deutschland sind mittlerweile an einer Hand abzuzählen – der Countdown läuft.

Und was macht man an diesen Tagen? Man packt. Naja, besser gesagt – wir haben entmistet. Die Kammer, den Keller, die Regale.

Wir haben unsere Bücher sortiert. Sortiert nach: Kommt mit nach China – bleibt hier in Deutschland. Das ist somit auch gleichzeitig unsere Hauptkategorie: Darf mit – bliebt hier.

Das war auch schon der leichte Teil der Packgeschichte – der Rest wird eine größere Herausforderung. Da wir unsere Wohnung behalten und drüben ein möbliertes „was auch immer“ bekommen, muss eigentlich nur das Innenleben meiner Schränke mit. Eigentlich ganz leicht – dachte ich. Uneigentlich das Schwerste was ich entscheiden muss. Bei jedem Gegenstand, den ich in der Hand habe, überlege ich: „wie wichtig er ist in meinem Alltag.“ Am Ende vertage ich die Packgeschichte stets auf später, in der Hoffnung, dass eine gute Fee kommt und diese Entscheidung für mich trifft.

Neben den Entscheidungen was mit darf, haben wir ganz langsam die Abschiedsrunde eingeläutet. So richtig bewusst war mir das nicht, dass das dazugehört und irgendwann ja mal ein Anfang gemacht werden muss. Wahrscheinlich habe ich das einfach verdrängt, ab in mein Unterbewusstsein geschoben und gehofft mein Bewusstsein kommt nicht dahinter. Dem war nicht so. Letztes Wochenenden haben wir bei Freunden gefeiert. Es war schön wie immer. Lustig und gemütlich. Richtig heimisch. Am Ende des Abends war er dann da – der Abschied. Meine Augen wurden feucht, mein Herz schwer und meine Worte wollten nicht raus. Als ich im Auto saß, fragte ich mich : Willst du das? Abschied nehmen? Natürlich nicht! Aber es gehört eben auch dazu. Ich hoffe sehr, dass unsere Freundschaften die Entfernung von China aushalten.

In Bezug auf unsere Unterkunft in China sind wir derzeit mit dem Sichten von Immobilen beschäftigt. Immer unter dem Aspekt, es muss uns gefallen – wenn möglich die ganze Zeit unseres Aufenthaltes. Zwei Immobilien haben es dann in die engere Auswahl geschafft. Mein Mann hatte die Chance, vor Ort, beide zu besichtigen. Am Ende haben wir uns für eins entschieden und was dann? Dann kam das Leben durch die Tür und unsere Maklerin mit einem neuen Angebot ums Eck. Damit wurden die Karten neu gemischt und wir stehen fast wieder am Anfang.

Für den Alltag in China haben mein Mann und ich beide den internationalen Führerschein beantragt. Ob ich den dort nutze, dass weiß ich nicht – mein Mann möchte sich dem Abenteuer Straßenverkehr stellen. Wenn es soweit ist, werde ich berichten.

Zu Ostern haben wir erstmal Urlaub und darauf freu ich mich sehr. Habe ich doch die innere Anspannung unterschätzt. In dieser Zeit werde ich nicht an den Umzug denken und nicht an das Packen und schon gar nicht an das Abschied nehmen von Freunden und Familie.

Suoyou de ài  (Alles Liebe)

Dschänna

2 Gedanken zu “Alles in Bewegung

  1. Liebe Dschänna!

    Da kommen Erinnerungen hoch! Ich wünsche Dir gute Nerven für alle weiteren Abschiede – die werden von nun an Teil Eures Lebens sein, denn auch in China werdet Ihr Euch von neuen Freunden verabschieden müssen, die das Land vor Euch verlassen und spätestens, wenn es dann selbst zurückgeht, steht noch einmal eine große Abschiedsrunde an. Aber Ihr findet sicher einen Weg, damit umzugehen, den Kummer einerseits zuzulassen und ihn andererseits nicht Lebens-bestimmend werden zu lassen!

    Oh, und die Packerei, das ist echt Stress. Etwas entlastet hat mich, dass schon vor der Ausreise der erste Besuch geplant war, die Vergessenes oder unerwartet doch Wichtiges hätten mitbringen können – vielleicht kann Dir das auch helfen?

    Den Internationalen Führerschein hab ich auch im Gepäck, aber auch nach über 1,5 Jahren hab ich noch nicht die Chinesische Fahrprüfung gemacht, ich steh lieber im Regen (zum Glück regnet es selten) und warte lange auf ein Taxi als hier selbst zu fahren….

    Ich wünsch Dir gute Nerven für die nächsten Wochen. Und wenn es mal zu stressig wird: halt Dich daran fest, dass Ankommen und sich Einrichten einfacher ist, selbst wenn es im fremden China ist! :)

    Genieß den Urlaub!

    Lieben Gruß aus Peking – Linni

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    1. Liebe Linni,

      vielen Dank für deiner Gedanken. Diese machen mir ein wenig Hoffnung, dass sich alle Anstrengung im Vorfeld auszahlt.

      Zum Thema Abschied nehmen: Das ist jetzt nicht so meins (gut, wer mag schon Abschiede). Ich bin ganz positiv, dass wir einen Weg finden werden, damit umzugehen.

      Ich schick dir sonnige Grüße aus Deutschland.
      Jana

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