Schröpfen

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Dschänna berichtet 

Letztens habe ich etwas für meine Gesundheit getan. Nicht weil ich krank war, sondern weil ich rein vorsorglich sein wollte.

Grundsätzlich bin ich immer wieder neugierig, was es da für schöne Dinge gibt, mit denen ich meinen Körper malträtieren kann. Das soll jetzt nicht bedeuten, dass ich auf Schmerzen stehe, doch nehme ich diesen gerne in Kauf, wenn ich am Ende einen positiven Effekt spüre.

Als Einsteigermodell entschied ich mich für eine Schröpfmassage a la China. Klingt

Mit einer Bekannten fuhr ich also in das chinesische Einkaufszentrum. Ja, in einem Einkaufszentrum, zweite Etage, dann links, befand sich der Eingang. Von Aussen sehr unscheinbar, von Innen einer Apotheke. Wir wurden in einen sehr spartanisch eingerichteten Raum mit zwei Liegen geführt. Von gedämmten Licht oder aromatischen Düften war das nichts. Oft verbinden oder erwarten das ja die Menschen, wenn sie sich eine Massage gönnen. Um sich wohl zu fühlen oder in die Entspannung eintauchen zu können. Hier in China gibt es diesen Schnickschnack nicht. Da geht es um die Sache und nicht um das Erscheinungsbild des Raumes.

Nachdem wir uns auf die Liegen, mit Kopf nach unten gelegt hatten, ging es los. Ganz ehrlich, in diesem Moment, wo ich nur in Hose und Unterhemd auf dieser Liege lag, da fragte ich mich schon was ich hier tat. Gruselige Gedanken, geprägt von zu viel schlechten Nachrichten spulte mein Gehirn ab. Als ich an dem Punkt kam, wie mein Mann mich jemals finden wird, fand der Masseure genau die Stelle in meinem Nacken, wo ich mehr mit atmen, als mit Denken beschäftigt war. Bevor hier die Schröpfuntensilien auf die Haut kommen, wird der Rücken via Handmassage vorbereitet. Das hatte nichts mit Streicheln zu tun. Neben seinen Händen, nutze er den Ellenbogen, um auch zwischen die Rippen zu kommen. Weiterhin den Unterarm, um meine Haut  zu dehnen und zu drücken. Zwischendrin befürchtete ich, dass sich der Masseure gleich  auf meinen Rücken stellen und Tango darauf tanzen wird.

Ich konzentrierte mich auf meine Atmung. Erstens um dem Schmerz entgegenzuwirken und zweitens hätte ich eh nicht weggekonnt. Zwischendrin fragte er immer wieder, ob alles ok sei. Natürlich nickte ich. Schließlich wollte ich nicht als die verweichlichte Europäerin in seinen Erinnerungen hängen blieben. Nach einer gefühlten Ewigkeit, die in Wirklichkeit nur 30 Minuten war, konnte ich kurz durch schnaufen.

Dann kamen die Schröpfgläser zum Einsatz. Diese waren aus Bambus. Angeblich das Einsteigerset. Für die Fortgeschritten werde Gläser benutzt. Dann kam der Moment. Der Moment in dem diese Dinger sich an deiner eh schon malträtierten Haut festsaugen. Erst leichtes zwiebeln und dann heftiges Zwicken. Dieser Schmerz wurde weniger, irgendwann später, während ich (mal wieder) mit meiner Atmung beschäftigt war.

Sobald ich mich in Sicherheit wog, ging die Tür auf und die Bambusdinger wurden mir unsanft entfernt. Wer jetzt glaubt, dass wars, der irrt. Weil jetzt kommt das abgefahrenste, was ich je erlebt habe. Auf meinem Rücken wurde eine Decke und darauf eine weitere Decke ausgebreitet. Diese Decke fühlte sich an wie eine kalte Moorpackung, was es nicht war. Es war eine feuerfeste Unterlage, die mit Spiritus entzündet und dann nach ein paar Sekunden ausgedrückt wurde. Daraufhin entfaltete sich eine wohlige Wärme auf meinem Rücken. Diese Prozedur wurde fünf mal wiederholt. Ich gebe zu, der Geruch nach Spiritus auf meinen Rücken ist speziell. Und einige Fantasien aus vergangenen Psychofilmen waren sofort präsent. Allerdings ist der Wärmeeffekt im Anschluss so genial, dass ich mich nach dem dritten Mal abbrennen fragte, ob es das auch für daheim gibt.

Zum Schluss wurde mein Rücken mit Lotion eingeschmiert und in Klarsichtfolie eingewickelt, welche wir nach 20 Minuten entfernen konnten.

Mein Rücken sah aus, als würde ich 12 Pancakes spazieren tragen. Die Kreise waren leicht rot, bereiteten allerdings keine Schmerzen. Am Abend dieses Erlebnisses klagte ich über Müdigkeit, Kopf-und Gliederschmerzen und völlig Erschöpfung. Nachts wechselten sich Hitzewelle und Schüttelfrost ab. Nicht schön.

Tags darauf waren die Schmerzen weg. Meine bis dahin vorhandenen Rückenschmerzen ebenso. Genauso meine gefühlte Steifheit im Rücken. Von Tag zu Tag ging es mir besser und mein Energielevel stieg.

Nach diesem Erlebnis, welches auch traumatisch hätte ausgehen können, durfte ich mal wieder lernen, wie gut es ist, neuen Dingen offen gegenüberzustehen. Das es nicht gleich Tabletten sein müssen, sondern das es viele Möglichkeiten in der Naturheilkunde gibt und ich sicherlich noch einiges hier ausprobieren werden.

Suoyou de ài  (Alles Liebe)

Dschänna

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