Die Expatkurve

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Dschänna und Mathe

In Mathe war ich nie ein Ass. Irgendwie hab ich mich in der Schule da durch gequält und sogar meinen Abschluss geschafft. Am Ende war ich froh, das es vorbei war.

Das ich trotzdem in meinem Alltag Mathe haben werde, gar grafische Anschauungen, dass wollte ich nicht so recht glauben. Meine Erfahrung hat mich gelehrt, dass es immer anders kommt, als zu Beginn gedacht. So auch bei diesem Experiment.

In allen Vorgesprächen und auch im Interkulturellen Training wurde uns von dieser Kurve berichtet. Der Expatkurve. Dargestellt in einem Diagram ähnelt es einer Berg und Tal Fahrt.

Zuerst kommt das Hoch – alles ist prima, ja fast euphorisch bei dem Gedanken einem Abenteuer gegenüber zu stehen.

Danach kommt der Sturz. Nach ungefähr sechs Monaten landet man auf dem Boden der Realität. Einige Dinge sind nicht mehr so unbekannt und somit fällt einem auf, was man vermisst. Die Menschen, die Ordnung, das Essen.

Wenn man das Tief überwunden hat, soll es sich auf ein Level einpendeln, welches einen positiven Alltag zu lässt.

Überwindet man das Tief nicht, dann ist es hilfreich Unterstützung von Aussen in Anspruch oder gar eine Pause von dem Expatland zu nehmen.

Wer mehr darüber erfahren möchte, kann das sehr schön geschrieben bei Shaoshi in Shanghai nachlesen.

Ich wäre nicht Ich, wenn ich dem ganzen Spuk dieser mathematischen Rechnung erstmal keinen Glauben schenken würde. Theorie und Praxis passen selten zusammen. Nur weil es sich theoretisch so einfach anhört, muss es das in der Praxis noch lange nicht stimmen.

Doch, was soll ich sagen – mal wieder hat mir meine Erfahrung ein Schnippchen geschlagen und gezeigt, dass manche Theorien in der Praxis aufgehen. So auch diese.

Wir sind jetzt seit 6 Monaten hier und das Tief hat uns erreicht. Genauer gesagt, es hat unsere Tochter erreicht. Das, was sich für meinen Mann und mich immer noch nach Euphorie und Staunen anfühlt, schlägt bei unserem Mäuschen in akutes Heimweh nach Deutschland um. Besonders die Großeltern fehlen ihr sehr und es vergeht kaum ein Tag, an dem wir nicht alles wegkuscheln müssen. Zu sehen, dass sie zwischen den Welten lebt und ihr Bestes gibt, oh man, dass treibt mir selbst beim Schreiben die Tränen in die Augen.

Ja, sie hat hier Freunde. Zur Schule geht sie gerne und ihre Hobbys genießt sie. Und doch ist es eben China und nicht Deutschland. Kein schneller Besuch bei den Großeltern möglich. Der Deutschlandurlaub noch 5 Monate entfernt.

Was wir tun können, ist ihr zu zeigen, dass das normal ist. Die Trauer und das Heimweh. Das sie damit nicht allein ist und wir hier einfach eine schöne Zeit haben werden.

Und damit starten wir gleich am Sonntag. Es sind Ferien. Das erste Schuljahr ist geschafft.

Wir brauchen Sonne, Strand und Meer und somit geht es nach Thailand. Wie und was und wo – ich werde euch Bilder zukommen lassen.

Lasst es euch gut gehen.

Suoyou de ài  (Alles Liebe)

Dschänna

7 Gedanken zu “Die Expatkurve

  1. Ohjeh, die Arme!!
    Könnt ihr wenigstens mit den Großeltern skypen?

    Später wird sie bestimmt mit Begeisterung von dieser Zeit in China erzählen. Aber eben erst später. :(

    Was war für dich der größte „Kulturschock“?

    Gefällt 1 Person

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