Vom Ankommen

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Dschänna philosophiert

Jetzt ist es also soweit. Die ersten Ferien liegen hinter uns und das zweite Schuljahr vor uns. Für mich beginnt jetzt unser zweites Jahr in China, weil jetzt wieder Alltag ist. Das Schöne ist, wir sind nicht mehr die Neuen. Wir gehören jetzt zu denen, die den Neulingen mit Informationen weiterhelfen können. Ich kenne die Abläufe in der Schule, scheue mich nicht dort in Englisch zu kommunizieren und kann mich gut in Suzhou orientieren. Alles Dinge, die ich im letzten Jahr nicht wusste und mir den Alltag an der einen oder anderen Stelle erschwert haben.

Als ich im letzten Sommer herkam, da hatte ich einen Plan. Ich liebe Pläne, weil sie mir Sicherheit geben.Schließlich muss jeder im Leben ein Plan und ein Ziel haben. Wer das nicht hat, dem ist nicht mehr zu helfen. Der vergeudet wertvolle Zeit und wird nie angekommen. Wo auch immer das sein soll. Zudem hatte ich gehört, dass jede Neuankunft an einem neuen Ort Zeit braucht – dabei ist es zweitrangig, ob es sich um einen Ortswechsel in Deutschland handelt oder um einen Umzug ins Ausland.

Ich wäre nicht Ich, wenn ich dem ganzen trauen würde. Einfach so. Selbstverständlich geht das bei uns anders und schneller und überhaupt – ich hatte ja einen Plan. Auf diesem stand: Chinesisch und Englisch Unterricht. Wöchentliche Blogbeiträge hier und auf der Mamabox. Aufbau einer online Präsenz als Coach. Regelmäßige Besichtigung von Attraktion in und um Suzhou. Kontakte knüpfen und ein Freundeskreis aufbauen und noch mehr solch verrückte Dinge.

Spätestens an Weihnachten 2017 wusste ich, dass es so nicht läuft. Das mein Plan zu voll war und meine Erwartungen zu hoch. In unserem Weihnachtsurlaub wurde mir klar, dass es Zeit braucht und das man sich diese nehmen muss. Ich sage bewusst MUSS, weil sonst macht man es nicht.

Ich habe nach Weihnachten mein Sprachunterricht gestrichen und mir den Stress beim Erstellen von Blogbeiträgen genommen. Ebenso habe ich meine Haltung zu meiner beruflichen Laufbahn geändert und die Besichtigungsanzahl runtergeschraubt.

Das alles nahm mir Druck. Selbstauferlegter Druck hier ganz schnell anzukommen und zu zeigen, wie toll es ist.

JA, es ist toll hier – doch das braucht eben Zeit und Raum.

Raum, um wahrzunehmen.

Raum, um zu verarbeiten.

Raum, um zu atmen.

Raum, um anzukommen.

In Deutschland sind wir auch schon umgezogen und auch da hatten wir eine Eingewöhnungsphase. Nur ist uns das vielleicht nicht so aufgefallen, da alleine die Sprachschwierigkeiten nicht vorhanden waren und das Lernen der neuen Strukturen einfacher.

Ich habe jetzt verstanden, dass es mindestens ein Jahr und alle Jahreszeiten braucht, um einen neuen Ort zu erkunden, zu erleben und ihn vielleicht zu seinem Ort zu machen.

Ich habe jetzt verstanden, dass Pläne gut sind und das immer Luft an sie ran müssen.

Ich habe jetzt verstanden, dass alles Zeit braucht, um zu wachsen und das jede Familie ihr eigenes Tempo hat.

Ich habe jetzt verstanden, dass nach der Eingewöhnungsphase alte Pläne wieder aufgenommen werden können. Neue Ideen hinzukommen. Alte Gedankenmuster gehen dürfen und das Alles immer im Wandel ist.

Ich habe jetzt verstanden, weil ich es erlebt habe.

Aus diesem Grund wünsche ich allen Neulingen (egal bei was ihr gerade am Anfang steht) einen tollen Start, in einem entspannten Tempo.

Am Ende zählt nicht, ob du angekommen bist – am Ende zählt der Weg und das du nicht aus der Puste kamst.

Suoyou de ài  (Alles Liebe)

Dschänna

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