Expatehe

sonnenuntergang
Dschänna und die Ehe

Jede Art von Beziehung bedeutet Arbeit. Klingt bescheuert, ist aber so. In jungen Jahren dachte ich auch, dass alles ist Humbug. Beziehung entsteht und dann ist das so. Wie soll das bitteschön Arbeit sein? Ich meine, sie ist doch nicht anstrengend und wenn es dann doch so wird, dann sollte man sich vielleicht über die Beziehung Gedanken machen,

Ein paar Jahre und ein paar Erfahrungen später weiß ich, dass Beziehung Arbeit ist. Nicht nur in Beziehung zu kommen, sondern besonders in dieser zu bleiben. Dabei spielt es – für mich – keine Rolle, ob es sich um eine Paarbeziehung oder eine Freundschaftsbeziehung oder eine Arbeitsbeziehung handelt. Jede Beziehung ist anders. Jede Beziehung ist besonders. Jede Beziehung ist einzigartig. Und alle haben einen gemeinsamen Nenner: Ich bin immer dabei.

Da ich das Thema Beziehung und Miteinander so spannend finde und auch beruflich darin aufgehe, habe ich mich sehr gefreut als Lilli vom Blog „Ehe im Ausland gestalten“ mich angeschrieben hat. Sie hat diesen genannten Blog und geht der Frage nach: Was macht eine Expatehe aus und mit welchen Schwierigkeiten ist diese verbunden? Inwiefern ist sie vielleicht gefährdeter im Sinne von Trennung und Scheidung?

Fragen wie:

• Wirkt sich das im Ausland sein auf eure Ehe aus, und wenn ja wie?

• Gibt es bestimmte Herausforderungen?

• Wie geht ihr mit den Herausforderungen um?

• Was sind eure Tipps für eine gute Ehe, die ihr gerne umsetzt?

• Wie tut ihr eurer Ehe Gutes?

lassen mich nachdenklich werden. Und da im Netz nicht viel über das Thema geschrieben steht, nehme ich die Einladung gerne an und berichte aus eigenen Reihen.


Unsere Ehe davor und danach

Mein Mann und ich waren bei der Entsendung im verflixten 7. Jahr verheiratet. Das dieses Jahr das schwierigste wird, ist ein weit verbreiteter Mythos. Angeblich ist das schwierigste Jahr das vierte, weil da der Übergang von Verliebtheit in Liebe geschieht. Ob das dann geklappt hat, das erkennt man dann wohl am 7. Jahr, weil es nochmal drei Jahre dauert, bis sich die Partner darüber einig sind. Andere Statistiken sagen, dass das 13/14. Jahr das Schwerste sei, zumindest sprechen die Scheidungsraten dafür, die in diesen Jahren am höchsten sind.

Wie dem auch sei, unser 7. Jahr scheint prima gewesen zu sein, schließlich gibt es uns weiterhin als Ehepaar.

Unsere Ehe besteht aus Höhen und Tiefen, wobei die Tiefen weniger wild sind. Mein Mann war schon immer derjenige, der mehr gearbeitet hat. Das war für mich selten ein Thema, da ich immer die Chance hatte, selber meine beruflichen Ziele zu verfolgen. Darüber hatte ich hier schon mal geschrieben ‚Mein Mann, seine Karriere und ich‘

Nun besteht ja eine Ehe mehr wie aus Beruf und genau das ist der Knackpunkt. Wir haben von Beginn an über alles miteinander gesprochen. Darüber, wie wir unsere Ehe sehen. Wie wir sie leben möchten. Wer welche Aufgaben übernimmt. Kindererziehung, Verwandtschaftsbesuche, gemeinsame Unternehmungen, persönliche Weiterentwicklung etc. Es könnte daran liegen, dass ich aus eigener Erfahrung weiß, wo es enden kann, wenn nicht klar und deutlich miteinander kommuniziert wird.

Diese offene Kommunikation hat nicht verhindert, dass es hin und wieder zu Reibungspunkten kam – doch genau diese wurden schnell und offen angesprochen, damit es eben nicht unterschwellig brodelt.

Ich würde sagen, unsere Ehe stand, bei dem Umzug nach China, auf einem festen Fundament.

Mein Mann war drei Monate früher hier in China, weil es arbeitstechnisch so war und ich das Schuljahr mit den Kindern in Deutschland noch beenden wollte. Da hieß es plötzlich Fernbeziehung. Ganz ehrlich – das war echter Mist. Ja, es war eine überschaubare Zeit, doch die hat gereicht. Alle Telefonate mussten zeitlich abgestimmt werden. Alle Mahlzeiten ohne Papa eingenommen werden. Jeder machte unterschiedliche Erfahrungen in dieser Zeit. Der Umzug musste geplant werden, die Abschiede standen vor der Tür. Es war eine sehr aufregende Zeit, besonders emotional. Ich war echt froh, als das vorbei war. So entspannt ich am Anfang war, weil ich alles alleine bestimmen konnte, so anstrengend wurde es, tagein tagaus die alleinige Verantwortung zu haben. Hut ab vor allen Alleinerziehenden!

Zu Beginn unseres Aufenthaltes profitierten wir von unserem Fundament. Jeder stellte sich den alltäglichen Aufgaben und abends konnten wir uns darüber austauschen. Doch je länger wir blieben, desto mehr zeigten sich die Herausforderungen. Eine davon ist und bleibt, dass mein Mann der Hauptverdiener ist. Dass er morgens zur Arbeit fährt und abends mit einem Gefühl von „ich habe etwas bewegt“ nach Hause kommt. Dass er das Geld für unsere Kosten bekommt.
Ich habe das nicht. Ich muss mich selber strukturieren. Eigene Aufgaben finden und mich dafür wertschätzen. Ich bekomme dafür kein Geld. Ich habe immer eigenes Geld verdient. Das hat weniger etwas mit Emanzipation zu tun, als vielmehr mit ‚ich komme für die Familienkosten auf‘. Jetzt kein eigenes Geld zu verdienen und sich damit nicht abhängig zu fühlen, ist für mich eine große Sache.

Eine weitere Herausforderung ist, ihm dafür nicht den Schwarzen Peter zuzuschieben. Ihn nicht abends vollzujammern, dass ich doch so gerne arbeiten würde. Das ich auch gerne mehr Dschänna wäre, als nur Mama und Expatfrau.

Mir war bewusst, dass wir diese Rollenverteilungen haben werden. Ich habe mich klar dafür entschieden. Dieses dann am Ende zu leben, dass kann ein ganz anderer Schuh sein.

Für uns kann ich sagen, dass unsere Ehe daran an Stärke gewonnen hat. Warum? Unser Fundament aus Vertrauen und offener Kommunikation unterstützt uns sehr, wenn es um unterschiedliche Ansichten geht. Wenn verschiedene Interesse und Ansichten aufeinander treffen.

Zudem habe ich über mein Rollenbild nachgedacht und es nach meinen Vorstellungen gestaltet, weil ich mit meinem Mann darüber reden kann. Zu jeder Zeit. Morgens vor dem ersten Kaffee oder abends nach der Arbeit. Wenn’s brennt, dann ruf ich ihn im Meeting an. Wir verschieben solche Gespräche nicht auf später, wenn die Stimmung besser ist oder die Sonne heller scheint.

Ich denke, bei all dem Abenteuer Ausland muss man sich immer wieder bewusst überlegen, was an Prioritäten ganz oben steht. Und wenn da nicht die eigene Ehe steht, dann kann das zum Problem werden.

Zusätzlich haben wir einen gemeinsamen Wert in unsere Ehe festgelegt. Jeder von uns beiden soll sich entfalten. Auf seine Art. In seinem Tempo. Mit Dingen die denjenigen glücklich machen. Und wenn das bedeutet, das ich für eine Woche zu einem Seminar nach Deutschland fliege, dann ist das so.

Klar hängen die meisten Pflichten in Bezug auf Haushalt, Kinder, Schule, Arzt etc. an mir. Doch ich weiß, dass mein Mann das sieht und wertschätzt. Dafür übernimmt er den Müll und den Einkauf. Am Ende ist es immer ein Geben und Nehmen. Doch hier im Ausland, da wirkt das alles intensiver, weil wir nur uns haben. Weil das unser Abenteuer ist. Weil ich mich eben nicht mit einem schnellen Freundin-Gespräch aus der Nummer ziehen kann. Weil wir beide das hier wollten. Mit allen Höhen und Tiefen.

Und wir können so schön gemeinsam Lachen. Über alles und am meisten über uns. Und ganz ehrlich, ich liebe es.

Suoyou de ài  (Alles Liebe)

Dschänna

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