Expatehe – III

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Dschänna und die Ehe 

Wie ist das eigentlich, wenn der Mann beruflich viel unterwegs ist?

Genau diese Frage wird mir immer mal wieder gestellt und ich finde, sie gehört mit zum Thema Expatehe. Voran gegangene Beiträge könnte ihr hier nachlesen: Expatehe und Expatehe II. Und noch mehr zum Thema erfahrt ihr bei Lilli und ihrem Blog: Ehe im Ausland.

Ja, wie ist das denn nun?

Bevor wir nach China gezogen sind, da war mein Mann auch einige Male unterwegs. Meistens waren es 1 – 2 Tage und alles mit Auto erreichbar. Wenn ich ihn hier daheim gebraucht hätte, dann wäre das alles mit Auto schnell gegangen.

Als wir nach China zogen, hieß es, soviel reisen müsse mein Mann nicht. Maximal zweimal nach Deutschland.

Als wir dann hier wohnten und mein Mann das erste Mal nach Deutschland flog, da konnte ich Tage vorher schon nicht schlafen. Alle möglichen Gedanken gingen mir durch den Kopf. Natürlich waren es eher die blöden, die eh kein Mensch braucht.

Als es dann soweit war, da hätte ich heulen können. Nicht wegen dem Abschiedsschmerz, sondern wegen dem Alleinsein in China. Ich meine, ich kann allein sein und auch mit den Kindern. Das haben wir in Deutschland auch schon gemacht. Doch was ist, wenn hier was passiert? Wenn mit den Kindern was ist und ich einen Arzt brauche oder schlimmer noch, wenn mir etwas passiert? Was ist, wenn plötzlich der E-Roller nicht mehr funktioniert oder der Geldautomat meine Karte frisst? Was ist, wenn … ? Diese Gedanken hatte ich in Deutschland auch, doch da wohnten meine Freunde in der Nähe. Da wusste ich, an wen ich mich notfalls wenden kann. Da konnte ich die Sprache. Und da war mein Mann keine knapp 9000 km von uns entfernt.

Ich war wirklich nervös und unendlich froh, als er wieder hier war und nichts als Alltag passiert ist.

Mittlerweile ist es so, das mein Mann öfters weg ist. Sei es innerhalb Chinas oder Außerhalb. Sei es für ein paar Tage oder länger.

Mittlerweile sind die Kinder und ich da ein eingespieltes Team. Zumal die Kinder ja auch größer werden und somit selbstständiger. Das alles führt dazu, das wir die Zeit ohne meinen Mann entspannt gestalten und genießen können.

Doch, was hat das mit unserer Ehe zu tun?

Unsere Ehe ist weder eine klassische Ehe, im Sinne von: Abends sind wir alle zusammen, nachdem am vormittag Arbeit und Schule war. Ebenso ist unsere Ehe keine Wochenendbeziehungen oder gar Fernbeziehungen, weil wir den Alltag größtenteils zusammen verbringen.

Unsere Ehe ist bunt. Irgendwie hat sie von allem etwas.

Am meisten besitzt sie jedoch den Wunsch, dass sich jeder von uns beiden weiterentwickeln kann. Wahrscheinlich würde mein Mann weniger reisen, wenn es beruflich nicht nötig wäre. Da es aber nun mal so ist, macht er es. Somit kommt er an Orte, die er vielleicht nie gesehen hätte und absolviert dort Zusammenkünfte, die er sich vorher nicht zugetraut hätte.

Und ich? Ich versuche an manchen Tagen nicht unfair zu werden. Schließlich kann er oft alleine reisen, während ich meist zwei Kinder dabei hab. Er braucht dann nur für sich sorgen und kann die neuen Dinge ganz ohne Murren wahrnehmen. Scheinbar ist er nicht zum Vergnügen unterwegs. Doch da ihm die Arbeit Freude bereitet, ist es dann doch irgendwie Vergnügen.

Es scheint verzwickt. Er ist unterwegs und ich bin daheim.

Nach zwei Jahren China habe ich gelernt, das eine Ehe mehr ist, als gemeinsam den Alltag zu meistern. Eine Ehe bedeutet eben auch, den anderen bei seiner Weiterentwicklung zu unterstützen. Nicht mit Neid oder Grummel, sondern aus dem besonderen Gefühl der Verbundenheit und Liebe heraus.

Für mich wirkt die Expat-Ehe dabei wie eine Lupe. Alles wirkt hier größer und sichtbarer. Wir kommen eher an unsere Bedürfnisse und Grenzen. Wir tauchen tiefer in die Beziehungen ab und müssen klarer wissen, was wollen wir eigentlich. Wie stehen wir zueinander und wohin soll die gemeinsame Reise gehen.

Hin und wieder zicke ich schon rum und neide meinem Mann diese Ausflüge. Doch spätestens, wenn er wieder da ist und von seinen Erlebnissen berichtet, lausche ich ganz gespannt und freu mich einfach für ihn. Und, dass er uns teilhaben lässt an seinen Erlebnissen.

Eine Ehe ist und bleibt ein Geben und Nehmen. Wir können niemand zwingen bei uns zu bleiben, auch kein Blatt Papier kann dafür sorgen. Es ist jeden Tag aufs Neue eine bewusste Entscheidung: Für oder gegen diese Beziehung.

Suoyou de ài  (Alles Liebe)

Dschänna

2 Gedanken zu “Expatehe – III

  1. Liebe Dschänna,
    Vielen Dank für deinen berührenden, ehrlichen Bericht! Schöner hätte ich es nicht beschreiben können! Das Reisen hat schon eine andere adimension, wenn man im Ausland ist. Darf ich deinen Artikel verlinken oder bei mir veröffentlichen?
    Alles Gute euch,
    Lilli

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