Es nervt mich

Shanghai
Dschänna und die Atmung

Ich habe bestimmt schon öfters darüber geschrieben, doch derzeit nervt es mich mal wieder so arg, das ich heute Dampf ablassen muss. So schön ich das hier alles finde. Und so sehr ich auch im Alltag mit all den Dingen versuche klar zukommen, die mal besser und mal schlechter laufen. Und so sehr ich mich auch bemühe, Dinge, die hier anders sind, anzunehmen … so sehr kann mir das an manchen Tagen gar nicht gelingen. Da stört es mich, dass ich für meinen Einkauf drei Läden anfahren muss. Das alles mit dem E-Bike und somit mindestens einmal dazwischen nach Hause, um die Beutel auszuräumen. Sonst passt nichts mehr rein. Ebenso kann es mich dann nerven, das die Moskitozeit wieder angebrochen ist, ich nachts mit Klima schlafen muss, weil es einfach zu warm ist oder das Internet mehr stockt als läuft.

Doch was mich derzeit wahnsinnig macht … und ich weiß nicht mal warum, weil es ja von Anfang  an so war … ist der Verkehr. Da wird rechts abgebogen, ohne zu blicken und schon gar nicht mit blinken. Egal ob die Fußgänger grün, rot oder gelb haben. Die E-Bikes quetschen sich dann auch noch dazwischen durch und wenn dann noch Stau wegen Baustelle ist, dann muss ich ganz schwer atmen.

Als Fußgänger bin ich schon einige Mal in der Bredouille gewesen, dass das Auto oder gar der Bus direkt auf mich zu kamen, obwohl ich grün hatte. Von Bremsen keine Spur. Ich weiß, dass es hier so ist, doch derzeit nervt mich diese Unart dermaßen. Ich merke es besonders daran, dass ich dann mit Blick zum Fahrer einfach weiterlaufe. Manchmal merken sie ihren Fehler und bremsen, manchmal muss ich dann doch stehen bleiben. Weil sie mich einfach nicht sehen oder sehen wollen oder das Spiel des Stärkeren spielen.

Wenn ich mit dem Taxi unterwegs bin, dann gleicht das manchmal einem Glücksspiel. Dem Glücksspiel, was für einen Fahrer werde ich bekommen. Es gibt die Guten. Die, die entspannt den Verkehr meistern. Und dann gibt es die, die gerne Kamikaze spielen.

Der Verkehr ist derzeit mein größter Endgegner. Und je mehr ich mich da reinstresse, desto chaotischer ist er. Obwohl das ja nicht sein kann, weil ich ja keinen Einfluss auf den Verkehr habe, oder doch? Spiegelt der Verkehr meine derzeitige negative Haltung ihm gegenüber einfach nur wider? Wäre der Verkehr entspannter, wenn ich es wäre? Hoch philosophische Ansichten, oder?

Was kann ich also tun? Wenige draußen sein, wäre eine Idee. Und ja, ich bin gerne daheim und könnte auch tagelang das Haus nicht verlassen. Allerdings schaff ich das maximal einen Tag in der Woche, wenn überhaupt. Meistens ist irgendwas und sei es nur, dass ich Lebensmittel brauche, um meine Familie am Leben zu halten. Ich könnte weniger E-Bike fahren. Könnte! Gerade fangen die hohen Sommertemperaturen an und da möchte ich einfach schnell von A nach B kommen. Ich könnte öfters die Metro nehmen. Doch um dahin zu kommen, braucht es einen Fußmarsch von 20 Minuten oder eben das E-Bike.

Wie ich es auch drehe und wende, ich komme an dem Verkehr nicht vorbei und an den Chinesen sowieso nicht. Die Erkenntnis, dass ich den Verkehr nicht ändern, sondern nur annehmen kann, beschleicht mich immer mehr. Also konzentriere ich mich auf meine Atmung und freue mich, wenn jemand die Ampelfarben erkennt und danach handelt. Es sind doch die Kleinigkeiten im Alltag, die diesen liebenswert machen, oder?

Suoyou de ài  (Alles Liebe)

Dschänna

4 Gedanken zu “Es nervt mich

  1. Liebe Jana, ich bin seit langem eine Leserin von Dir und ich bereite mich do auf meine China Zeit vor. Die beginnt im August.
    Ich kann mich so gut in Dich versetzen und dann sehe ich mich – Luise, das wird auch alles auf dich zukommen.
    Mein Plan ist es, so viel wie möglich online zu kaufen und dann auch meinen Fahrer – ja, diesen Luxus werde ich haben – loszuschicken.
    Der Verkehr ich Shanghai ist intensiv, ob ich ihn meist umgehen kann? Sicherlich nicht.
    So bereite ich mich auf lange Fahrten vor – vielleicht kann ich was nützliches machen? Vielleicht den nächsten Einkaufszettel schreiben, damit die Mäuler auch gestopft werden können.
    Ich freue mich auf weitere Artikel von Dir. Mein Shanghai-Calling liegt leider gerade brach. Es kommt aber bald wieder.
    Herzliche Grüße aus Ingelheim.
    Luise

    Gefällt 1 Person

    1. Liebe Luise,
      wie spannend es gerade bei dir ist. Die Vorfreude ist doch eine der Schönsten. Das mit dem Verkehr ist schon sehr speziell hier. Doch wo bleibt das Abenteuer, wenn es wie in Europa wäre ;) Gib Bescheid, wenn dein Shanghai-Calling verfügbar ist. Dann komm ich dich gern besuchen. Sonnige Grüße, Dschänna

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  2. Liebe Jana,
    ich kann dich nur zu gut verstehen. Ich habe auch diese Phasen, wo mich der Verkehr so richtig nervt. Früher habe ich das Taxi ins Büro genommen, jetzt das Didi, denn zum einen kann man sich im Didi immer hinten anschnallen und außerdem habe ich das Gefühl, dass die Didi-Fahrer anständiger fahren. Trotzdem werd ich wohl mich nie an den Verkehr und das ’nicht-nachgeben-wollen‘ gewöhnen.

    Lass dich nicht nerven und viele Grüße vom Xinghai-Square
    Christoph

    Gefällt 1 Person

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