Bildschirmzeit

korbsessel
Dschänna zwischen den Welten

Ich bin kein Technikfan. Schon gar nicht technikversiert. Ich bin Anwender (oder heißt es jetzt Anwenderin, wegen der korrekten Ansprache?) Und das muss dann auch alles ohne viel Komplikationen gehen. Ich hatte bestimmt als eine der Letzten ein Handy, weil ich dachte, ich brauch das nicht. Bevor ich dann das erste Mal nachts mit meinem Auto liegen geblieben bin und weit und breit kein Telefon in der Nähe war. Glücklicherweise kam ein einziges Auto und der Fahrer hatte ein Handy dabei. So konnte ich Hilfe holen. Seitdem besitze ich ein Handy. Ich nutzte es zum SMS schreiben (genau 160 Zeichen. Nicht eins mehr, weil dann wurde es teurer, da eine zweite SMS angerissen war. Von Flatrate wusste ich damals noch nichts) und zum Telefonieren. Erst viel später und im Zusammenhang mit neueren Modellen erkannte ich Social Media Plattformen als App und Chats statt 160 Zeichen.

Hier in China kann ich noch ganz andere Dinge mit meinem Mobiltelefon machen. Sachen, von denen ich bis vor zwei Jahren keine Ahnung hatte. Dieser ganze Schnickschnack führt dann allerdings auch dazu, dass ich meine Bildschirmzeit deutlich erhöht habe. Sehr deutlich. Klar, ich habe auch deutlich mehr Zeit dafür, doch das heißt ja nicht zwangsweise, dass es mir auch guttut. Sich mit dem kleinen Gerät auf dem Sofa zu kuscheln ist einfach. Ein Klick und ich bin mit anderen Menschen verbunden. Virtuell. Als würde ich eine andere Welt betreten. Als wären mein Körper und mein Geist getrennt. Ich bin dann wie weg gebeamt. Erst wenn ich das kleine Gerät ausmache, erwache ich aus meinem Trance und muss mich kurz sammeln, um dann wieder hier anzukommen. Hier, in der realen Welt. Oder ist doch die andere, die reale Welt?

Wie dem auch sei, ich merke, dass es mir nicht guttut. Dass ich mich schnell ablenken kann, wenn mir hier vor Ort irgendwas auf den Magen schlägt. Dass ich nicht präsent bin, wenn ich denke, ich verpasse online was. Ich schaue Videos von Menschen, die anders sind wie ich und fühle mich dann so eingelullt, dass ich denke, ich müsste auch so sein.

Der online Einfluss ist immens. Und er ist so schleichend. Schleichend und kraftvoll. Und wenn ich nicht achtsam bin, dann schluckt er mich. Ähnlich wie andere Drogen, die unsere Köpfe weich machen.

Ich bin gerne online und treffe mich dort gerne mit Menschen für Austausch und Freude. Damit mir diese Freude nicht abhandenkommt, senke ich meine Bildschirmzeit. Bin präsent. Hier. Hier in Suzhou. Damit mir mein offline Leben nicht davon rinnt.

Suoyou de ài  (Alles Liebe)

Dschänna

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