Schulstart und Neuanfang

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Dschänna und der Neustart 

Es ist so weit. Es fühlt sich an wie ein Neuanfang, obwohl es das ja nicht ist, oder doch?

11 Wochen Homeschooling liegen hinter uns. 11 Wochen! Es hat so schleichend damals begonnen, dass mir das Ende doch etwas abrupt erscheint. Doch meistens ist es ja so, dass wir kaum mehr wissen, wie es angefangen hat und dann über das Ende philosophieren. Wie dem auch sei, 11 Wochen hatten wir einen neuen Alltag. Ungewollt und am Anfang auch ungeliebt. Doch diese Phase hat mal wieder gezeigt, wie sehr der Mensch ein Gewöhnungstier ist und sich an Umstände anpasst, auch wenn sie nicht frei gewählt waren. Und das waren sie nicht. Für niemanden von uns.

Als meine Kinder am 22. Januar 2020 aus der Schule kamen, lagen die Ferien vor uns. Die Aussicht, die kommenden zwei Wochen nicht mehr in die Schule zu müssen und damit den gewohnten Alltag durchbrechen zu können, löste bei uns Freude aus. Doch die Ernüchterung folgte umgehend. Als wir unseren Urlaub wegen Krankheit absagen mussten und das Unwort des Jahres zum ersten Mal auftauchte. Schließlich mussten wir wegen Corona ins Krankenhaus fahren, weil Verdacht bestand und glücklicherweise nicht bestätigt wurde. Da war es zum ersten Mal da, das beklemmende Gefühl, dass es vielleicht mehr wie ein gewöhnlicher Grippeverlauf werden könnte.

Dann kam die Nachricht, dass die Feiertage bis zum 10. Februar verlängert werden und damit auch der Schulstart eine Woche später als gedacht beginnt. Da waren wir noch sehr zuversichtlich. Diese Blase platze dann ebenfalls und das Homeschooling begann. Die Aussicht auf einen erneuten Schulstart wurde auf den 2. März geschoben. Der Start im Homeschooling war holperig. Ich wollte die Rolle der Ersatzlehrerin nicht, meine Kinder wollten nicht von daheim aus lernen. Und außerdem macht es am Küchentisch auch nur bedingt Freude. Hinzukam, dass der Alltag neu erfunden werden musste. Wie wir das gemacht haben, könnt ihr hier nachlesen und hier anschauen.

Wir waren ganz schön gefrustet, doch die Hoffnung stirbt ja bekanntlich zuletzt. Das war Ende Februar, als das Datum für Anfang März von der Regierung nicht bewilligt wurde und auf unbestimmte Zeit verlegt wurde. Unbestimmte Zeit – das klingt schrecklich. Es klingt wie kein Licht am Ende des Tunnels. Doch das war genau der Punkt, an dem ich mein Blickwinkel änderte und neue Perspektiven schuf. Für mich und meine Kinder. Ich hörte auf in die Zukunft zu fliehen und fing an zu akzeptieren, was war. Homeschooling, neuer Alltag, neue Strukturen und kein Ende in Sicht. Dieser Umschwung half mir mental die Situation zu meistern, weil ich nun aktiv im Jetzt war. Meine Hoffnung verwandelte sich in Vertrauen, das alles gut wird. Das gab mir innere Stärke.

Alsbald wurde Ende März als möglicher Start genannt. Es kam auch so, zumindest für die Oberstufe und nun, zwei Wochen später starten die anderen Klassen. Es ist wie ein Neuanfang, auch wenn es eigentlich keiner ist. Doch nach 3 Monaten Isolation und abrupten Rausreißen aus gewohnten Abläufen ist die Freude über die wiederkehrende Normalität immens.

Und ja, es gibt Einschränkungen für die Schüler. Ganztags Maske tragen. Nach dem Mittagessen diese bitte wechseln. Es sind nur die N95 Masken erlaubt, keine selbst genähten. Dazu kommt drei Mal Fiebermessen. Die Tische stehen im geforderten Abstand auseinander und für die Kantine gibt es Essenszeiten. Damit nicht zu viele vor Ort sind. Und auch da gilt: Abstand halten und pro Tisch ein Kind. Das alles hört sich nicht nach Freude und Leichtigkeit an. Ist es auch nicht und deshalb startet die Grundschule/Kindergarten auch noch nicht. Trotzdem ist es ein Anfang.

Ein Anfang zurück in einen Alltag in dem der Coronavirus immer präsent sein wird und wir den Umgang mit ihm lernen dürfen.

Zurück in den Alltag, in dem die Kinder andere Kinder brauchen und Lehrer, die ihnen bei der Wissensaufnahme helfen.

Zurück in den Alltag, in dem wir Eltern unserer Arbeit nachgehen können, ohne die Betreuung der Kinder zu organisieren und zu jonglieren.

Zurück in den Alltag, den wir nun mit anderen Augen sehen.

Ich tue es definitiv. Ich bin dankbarer geworden und sensitiver für das, was ist. Und ich lebe und liebe noch mehr, weil dieses Leben einfach liebenswert ist.

Suoyou de ài  (Alles Liebe)

Dschänna

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