Erkenntnisse

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Dschänna sammelt Erfahrungen 

Wir lernen und wachsen. Täglich. Mal bewusst. Mal unbewusst. Mal gewollt. Mal ungewollt. Ich hab da schon einige Dinge in meinem Leben erlebt, welche alle Punkte beinhalten.

Die derzeitige Situation ist eine sehr intensive Zeit. Ich könnte es auch dramatisch eine Ausnahmesituation nennen. Was dann allerdings den Trugschluss zu lässt, dass wir uns in einer brenzligen Situation befinden. Was wir auf der einen Seite vielleicht auch sind, aber auf der anderen Seite eben auch nicht.

Diese intensive Zeit betrifft nicht nur mich, sondern auch meine Familie und unser Zusammenleben. So eng aufeinander und so lange so eng aufeinander, das hatte ich nicht mal im Wochenbett. Und damit sind wir auch schon am Kern der Sache, nämlich: diese intensive Zeit fordert uns alle. Jeden auf seine Art und jeden anders. Da ich hier nur von mir schreibe, weil mein Mann sich ja selber dazu äußern kann und meine Kinder hier auf der Plattform nicht sichtbar sein werden, werde ich meine Erkenntnisse mit euch teilen.

Als Erstes kann ich sagen, dass ich ganz viel Zeit hatte, mich mit mir zu beschäftigen. Es waren kaum Ablenkungen im außen vorhanden. Das wiederum führte dazu, dass ich ganz intensiv meinen Gedanken und Gefühlen lauschen konnte. Und von beidem war in der Zeit ganz viel vorhanden.

Was hab ich also gelernt?

Ganz oben steht, dass Gesundheit ein hohes Gut ist, dass es zu schützen gilt. Dabei spreche ich nicht nur von meiner Gesundheit, sondern auch von der Gesundheit in meinem Umfeld. Achten wir nicht auf uns, dann können wir einige Dinge in unserem Leben nicht erleben. Achten wir nicht aufeinander, dann ist die Welt krank und das schadet uns allen. Zudem zeigt die Welt gerade, wer hier das Sagen hat und wir sind es nicht. Eine bittere Pille, doch ebenso befreiend, weil nun eigentlich jeder wissen müsste, wie er/sie sich hier zu Verhalten hat.

Gleich danach kommt die Erkenntnis, dass Medien auf Profit und Schlagzeilen aus sind. Um so wichtiger ist es, sich seine eigenen Quellen zu suchen, um die nötigen Informationen zu bekommen. Man kann auch nur mit beschränkten Informationen leben, weil die Wahrheit oft in der Mitte liegt. Hinzu kommt, dass es hilfreich ist Menschen, direkt zu fragen, die in der betroffenen Situation sind. Zum einen können sie ihre Geschichte erzählen und Menschen erzählen gern ihre Geschichte. Zum anderen können wir aus ihren Erfahrungen lernen.

Auf Platz drei steht die Erkenntnis, dass ich in intensiven Zeiten nicht durchdrehe, sondern diese bewältigen kann. Der Leitsatz „Deine Umstände bestimmen nicht dein Leben, sondern du rockst die Umstände“ hat sich dabei klar heraus kristallisiert. Dahinter steckt nicht, dass ich mich den Umständen ergebe und warte das sie vorbei gehen. Dahinter steckt, dass ich trotz der Umstände mein Leben aktiv gestalte. Im Hier und Jetzt und in dem Rahmen, der mir zur Verfügung steht.

Auf Platz vier kommen die Gefühle. Denn diese waren in der Zeit sehr präsent. Sehr intensiv. Sehr da – einfach! Und das kann zu Beklemmungen führen. Ich meine, Stimmungsschwankungen an einem Tag sind nichts Ungewöhnliches. Das dann aber über mehrere Tage auszuhalten und zu durchleben, ist kräftezehrend. Hinzu kommen ja dann noch die Gefühle der anderen. Was an sich ja nicht weiter wild ist. Doch, wenn deren Stimmung nicht zu deiner passt oder andersrum. Oder noch schlimmer, wenn du nicht willst, dass sie gerade schlecht drauf sind, weil du gerade gut drauf bist, dann haben zeitnah alle dieselbe Laune. Zu erkennen, dass meine Gefühle zu mir gehören und auch nur ich für meine verantwortlich bin, war mir schon davor bewusst. Wurde allerdings in der intensiven Zeit noch deutlicher. Ebenso, dass ich meinen Gefühlen nicht schutzlos ausgeliefert bin, sondern sie wahrnehmen kann, damit sie danach gehen dürfen. Im Umkehrschluss bedeutet das, dass ich auch niemanden Gefühle machen kann. Und wenn mein Mann oder meine Kinder schlecht drauf waren, dann war das ein Zeichen dafür, dass die Situation etwas bei ihnen ausgelöst hast, und nicht ich. Diese Erkenntnis birgt soviel Leichtigkeit im Umgang miteinander, weil wir damit wissen, wo unser Bereich beginnt und wo er aufhört.

Auf Platz fünf steht die Erkenntnis, dass ich das Reisen liebe und weiterhin tun werde. Achtsamer und intensiver als davor. Das ich es liebe mit Menschen in Kontakt zu kommen und das über Grenzen hinweg (Dank der Technik) Und das wir doch alle miteinander verbunden sind. Irgendwie und ganz speziell.

Und auch wenn ich mir wünsche, dass sich die Welt ganz bald entspannt und wir unsere Normalität zurückbekommen und die nächste intensive Zeit eine große Weile auf sich warten lässt, so weiß ich gleichzeitig, dass in jeder intensiven Zeit eine Chance für uns liegt.

Suoyou de ài  (Alles Liebe)

Dschänna

4 Gedanken zu “Erkenntnisse

  1. Liebe Dschänna!
    Sehr schöne Gedanken.
    Das sehe ich genauso und bin im gleichen Boot. Nur – ich kann nicht zurück nach Hause, nach Shanghai. Bin in der Heimat und doch nicht ganz zu Hause.
    Der Weg zu sich ist wellig und doch macht er Spaß!
    Liebe Grüße. Luise

    Gefällt 1 Person

  2. Liebe Dschänna. Danke dass du deine Gedanken mit uns teilst. Ich habe sehr ähnliche Gedanken.
    Punkt drei hat mich besonders angesprochen. Gegen die Umstände anzukämpfen kostet viel Energie. In manchen Situationen ist es besser zu akzeptieren, anzunehmen was ist, und das beste mit/innerhalb der aktuellen Gegebenheiten zu machen. Das Positive in dem zu sehen was ist. Das gelingt mir manchmal gut und manchmal nicht so gut. Ich habe festgestellt, dass ich bisher vieles selbstverständlich hingenommen habe. Nun schätze ich mein Haus, meinen Garten so sehr. Ich bin jeden Tag dankbar dafür.
    Manche Werte sind für mich ‚im Wert‘ gestiegen: Freiheit! Ist mein kostbarstes Gut! Meinungsfreiheit, Versammlungsfreiheit, frei unsere Gedanken äussern zu können, frei wählen zu können, wie wir leben.
    Sie ist unglaublich kostbar, gerade weil sie eben nicht mehr selbst-verständ-lich ist!
    Herzliche Grüße von Ina

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    1. Liebe Ina,
      lieben Dank, dass du deine Gedanken hier teilst.
      Die aktuelle Zeit ist eine sehr intensive. Und sie macht was mit uns. Bewusst oder unbewusst – sei dahin gestellt. Für mich sehr klärend :)
      Sonnige Grüße aus Suzhou

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