Mein Mann, seine Karriere und ich

frosch reisen
Dschänna’s Teilnahme an der Blogparade von Bejewly

Ich schreibe gerne. Hier und dort und manchmal mit Inspiration von aussen. So wie jetzt. Die liebe Berdien von www.bejewly.de lädt zur Blogparade ein. Sie selber lebt mit ihrer Familie seit einem Jahr in Mexiko. Auch bei ihr ging es um eine Entsendung des Mannes ins Ausland. Auf ihrem Blog schreibt sie rund um ihren Alltag vor Ort. Besucht sie und lasst euch nach Mexiko entführen.


Was ist eine Blogparade?

Eine Blogparade wird von einem Blogger auf seinem Blog gestartet. Dabei gibt dieser das Thema vor, zu dem sich alle, die sich inspiriert fühlen, mitmachen können. Das geschieht, in dem die anderen Blogger einen Blogartikel zum Thema schreiben und diesen  auf dem Initiatorenblog verlinken. Auf diese Weise kommen viele bunte und wunderbare Artikel zusammen. Ich liebe solche Aktionen.


Blogparade: Mein Mann, seine Karriere und ich

Zur Einleitung zitiere ich Berdien:

“ Karriere ist so ein Ding, dass in Familien noch oft den Männern obliegt. Immer noch herrschen die Rollenklischees aus den vergangenen hunderten von Jahren: Die Frau steckt zurück, kümmert sich um die Kinder und das Haus während der Mann Karriere macht. Immer noch verdienen Frauen im Schnitt weniger als Männer – trotz gleicher Ausbildung. (…) Die wichtigsten Fragen dazu: Warum habt ihr diese Option gewählt? Wie geht es dir damit? Bist du zufrieden, oder würdest du gerne etwas an der Situation ändern? Ist dein Partner glücklich? Hast du gar keine hochstrebenden beruflichen Ambitionen? (..)“

Viele Fragen zu einem Thema, dass doch oft nicht thematisiert wird. Karriere und Frauen passen irgendwie nur in der Küche zusammen – zu mindestens bei einem Teil der Bevölkerung herrscht diese Ansicht. Ich möchte gar nicht alle über einen Kamm scheren, und doch erfahre ich es in meinem Alltag.

Auf die Aussage, wir gehen nach Suzhou, weil mein Mann da ein Arbeitsangebot hat, erntete ich folgende Antworten:

„Mensch, so ein Glück hätte ich auch gerne. Da brauchste ja nie wieder arbeiten.“

„Da wird dein Mann aber richtig Geld verdienen. Brauchst dir keine Sorgen mehr um das Thema machen. Hast du das gut.“

„Vielleicht sollte ich auch mal Ausschau halten, nach jemandem wie deinem Mann. Dann kann ich ganz entspannt daheim bleiben.“

All diese Antworten bekam ich ungefragt und in der Öffentlichkeit. Das heißt, es war immer eine Reaktion von mir gewünscht. Ich selber habe mich immer für umdrehen und gehen entschieden.

Es gibt Menschen, die jetzt meinen, ich solle da gepflegt drüber wegschauen. Die Damen wären eh nur eifersüchtig. Mag sein. Und doch bleibt die Frage: Gebe ich meins für die Karriere meines Mannes auf?


Was ist Meins?

Als uns die Frage zur Entsendung ereilte, habe ich abgelehnt. Im ersten Moment war ich nicht bereit ‚Meins‘ aufzugeben. Zu dem Zeitpunkt war ‚Meins‘: meine psychologische Praxis und für externe Auftraggeber Kommunikationsseminare zu veranstalten. Beides habe ich in den letzten 3 Jahren Stück für Stück aufgebaut. Es ist eine mühevolle Arbeit. Akquise in jeglicher Form. Immer wieder. Puh, für mich das Anstrengendste an dem ganzen Konzept.

So langsam spürte ich die Vorarbeit. Die Anrufe Externer wurden mehr. Die Klientenanzahl stieg.

Und dann das! Dann soll ich für „die Karriere meines Mannes “ alles aufgeben? Niemals!

Nach dem der erste Sturm sich gelegt hatte, schaute ich mir das Desaster an und stellte fest, wie voll ich von Glaubenssätzen war, die mich daran hinderten, mich weiterzuentwickeln.

Ein starker Glaubenssatz ist: „Bleib bei dem was du hast. Du weißt nicht was du bekommst.“

Im ersten Moment strahlt diese Aussage viel Sicherheit aus. Im Zweiten schränkt sie uns ein. Auf diese Weise behindern wir uns selber, offen für neue Dinge zu sein. Und wer weiß, vielleicht ist das was vor uns liegt ja viel besser, als das was wir bereits haben?

Zusätzlich spürte ich Angst. Angst, als Frau von … abgestempelt zu werden. In eine Rolle reingepresst zu sein, von der ich keine Ahnung hatte, wie sie sich anfühlt. Mit Rollen ist das eh so eine Sache. Im Leben haben wir viele Rollen (Tochter, Ehefrau, Mutter, Schwester, Therapeuten, Dozentin, Bloggerin, Nachbarin, Freundin … ) und nicht alle sind positiv besetzt. Wir verbinden bestimmte Rollen mit bestimmten Eigenschaften, um damit dieser Rolle gerecht zu werden.

Mit ‚Frau von jemandem‘ verbinde ich: hochhackig laufenden Damen, welche sich vor Langeweile im Shoppingwahn Befriedigung holen und sich mit Ankunft des Mannes in ein Duckmäuschen verwandeln. Und SO will ich bestimmt nicht werden.

Das ich allerdings die Rolle nach meinen Vorstellungen erfüllen kann – die Erkenntnis kam nach zweimal drüber schlafen.

Ja, ich habe ‚Meins‘ vor Ort aufgegeben für die Karrierechance meines Mannes. Allerdings nur ‚vor Ort‘. Das heisst, dass ich immer noch Dschänna bin, mit vielen Ideen, die Welt zu bereichern. Das kann ich auch vom anderen Ende der Welt bewerkstelligen.

Wie? Das wird sich zeigen.


Was bedeutet Karriere?

Mein Mann hat viel Freude an seiner Arbeit. Das ist gut, schließlich muss er in China arbeiten, ich kann mir das aussuchen.

Neben der Arbeit, auf Arbeit, ist die Arbeit daheim. Der Haushalt, die Versorgung der Kinder, das Netzwerk pflegen. Das alles mache ich. Nicht als Hobby oder Langweilebespaßung, sondern weil es mein Beitrag für seine Karriere ist. Zudem macht mein Mann da mit. Er kocht und bäckt und putzt Fenster. Nicht, weil er mir hilft, sondern weil es ebenso sein Alltag ist.

Das heisst, dass seine Karriere – sichtbar im Unternehmen – sehr wahrscheinlich mit unserer gemeinsamen Basis nicht so funktionieren würde, wie sie funktioniert.

Klar könnte er sein Ding durchziehen. Arbeiten, Karriere machen und sich daheim bespaßen lassen. Macht er aber nicht. Und ich weiß diese Wertschätzung zu schätzen. Ich weiß, dass das nicht der Standart ist. Und ich weiß, dass das nicht vom Himmel gefallen ist.

Wir haben uns lange zu dem Thema ausgetauscht und wir wissen beide, dass dieses Projekt nur funktionieren kann, wenn wir beide zustimmen. Wenn jeder seinen Anteil sieht und die Verantwortung dafür übernimmt. Somit empfinde ich es nicht als ‚zurückstecken‘, dass ich für die kommenden Monate ‚arbeitsfrei‘ bin. Denn im Grunde bin ich es ja nicht.

Kommunikation ist und bleibt das Fundament einer wertschätzenden Beziehung, in der beide Partner ihr volles Potenzial entfalten können. 


Das Ding mit der Eigenverantwortung

Für alles im Leben haben wir Verantwortung. Für das, was wir tun, was wir entscheiden oder unterlassen. Alles hat mit uns und unserem Lebenskonzept zu tun.

Sobald wir im Vergleichen und Neiden sind, sind wir nicht bei uns. In diesem Moment sind wir beim Anderen und sehen bei ihm/ihr Dinge, die wir auch gerne hätten. Statt nun aber zu handeln, werfen wir mit blöden Aussagen oder Freundschaftsauslösungen um uns.

Im Klartext: Die Karriere meines Mannes befürworte und unterstütze ich. Meine Kariere befürwortet und unterstützt mein Mann. Wenn DU jetzt eine Unruhe spürst oder ein seltsames Kribbeln – dann ist das DEINE Geschichte, die durch MEINE ausgelöst wird.

Das ist der Punkt, an dem DU ganz nah dran bist – an deinen Bedürfnissen und an deiner Vorstellung vom Leben.

Liebe Berdien, vielen Dank für diese Blogparade. Es war mir ein Fest, meine Gedanken zu notieren und mit euch zu teilen.

Suoyou de ài  (Alles Liebe)

Dschänna

4 Gedanken zu “Mein Mann, seine Karriere und ich

  1. Liebe Dschänna, vielen, vielen Dank für deinen Beitrag! GENAU solche Kommentare hatte ich auch zu hören und dachte mir anfangs so manches Mal: dann tauschen wir doch…
    Ihr macht das toll, weiter so! Liebe Grüße vom anderen Ende der Welt
    Berdien

    Gefällt 2 Personen

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